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3. Eine Auswahl nicht-europäischer Projekte

NORFOLK ISLAND, AUSTRALIEN

Die erste Initiative der Welt, bei der Einzelpersonen eingespartes CO2 gegen Bargeld tauschen können

Norfolk, eine australische Pazifikinsel zwischen Australien und Neuseeland, „soll der erste Ort der Welt werden, an dem ein personenbezogenes Kohlenstofftauschprogramm umgesetzt wird“, schreibt die Londoner Tageszeitung The Telegraph am 28. Oktober 2010. Im Artikel wird das Programm wie folgt beschrieben: „Die Einwohner der winzigen Vulkaninsel, die von Nachkommen der Meuterer der HMS Bounty abstammen, haben sich einem freiwilligen Drei-Jahresprogramm verschrieben, das darauf abzielt, Treibhausgasemissionen und gleichzeitig auch das Übergewicht der Bevölkerung zu senken. Das Programm wurde von Forschern der Southern Cross Universität im nördlichen New South Wales, Australien, ausgearbeitet. Die Bewohner der Insel erhalten eine Kohlenstoffkarte, die wie eine Kredit- oder Kundenkarte funktioniert. Auf der Karte ist eine bestimmte Zahl von Kohlenstoffeinheiten aufgebucht. Während des Versuchs zücken die Bewohner jedes Mal die Karte, wenn sie Benzin und Strom bezahlen. Jene, die weniger Einheiten verbrauchen, weil sie das Auto stehen lassen und stattdessen zu Fuß gehen oder Rad fahren bzw. jene, die zu Hause weniger Strom verbrauchen, können die verbleibenden Kohlenstoffeinheiten am Ende des Jahres gegen Bargeld eintauschen.“

Warum Norfolk?

„Die Insel ist deshalb so gut geeignet, weil es sich hier um eine isolierte Gemeinschaft mit wenigen Einwohnern handelt, die einen ähnlichen Lebensstil pflegen wie die Leute auf dem australischen Festland“, schreibt die australische Zeitung The Sunshine Coast Daily aus Maroochydore, Queensland, am 28. Oktober 2010. „Die 30.000 Touristen, die jährlich nach Norfolk Island kommen, erhalten bei ihrer Ankunft ebenfalls Kohlenstoffkarten und werden ermuntert, am Programm teilzunehmen.“ (The Telegraph).
Projektleiter Professor Garry Egger meinte gegenüber der Zeitung, dass „jedes Mal, wenn die Bewohner beim Zahlen von Benzin oder Strom – und ab dem zweiten Jahr auch von Nahrungsmitteln – die Karte vorlegen, zahlen sie den Einkauf nicht nur mit Geld, sondern es werden ihnen auch die Kohlenstoffeinheiten abgezogen, die am Anfang gratis auf der Karte aufgebucht wurden. Leute, die nicht sparsam sind und viel Kohlenstoff produzieren und ungesunde Nahrungsmittel konsumieren, werden jedes Jahr noch zusätzliche Kohlenstoffeinheiten dazu kaufen müssen.“

Hauptziele

Das Hauptziel besteht laut Professor Egger darin, die „Wirksamkeit eines persönlichen Kohlenstoffhandelsprogramms zu testen, die CO2 Emissionen pro Kopf zu verringern, das Übergewicht zu senken und Verhaltensweisen, die mit Übergewicht zusammenhängen, zu verringern. Das SCU Projekt ist das erste seiner Art, das in einem „geschlossenen“ System, einer Insel, abgewickelt wird. Möglich gemacht wurde es von einem € 300.000 Linkage Projects Stipendium des australischen Forschungsrats.“
Die Zeitung endet den Bericht damit, dass dieses Projekt „darauf abzielt, den Klimawandel zu verlangsamen und gleichzeitig der Bevölkerung zu helfen, Gewicht zu verlieren. Das Programm, das ursprünglich an der Universität Oxford in Großbritannien entwickelt worden war, nimmt darauf Bezug, dass Übergewicht und Klimawandel von ähnlichen Ursachen gefördert werden.“
Ein längeres Interview mit dem Projektleiter ist hier abrufbar.

MALDIVEN

Kohlenstoffneutralität als Ziel

Die Malediven sind eine Region, die für die Folgen des Klimawandels besonders anfällig ist. Es handelt sich um eine Inselkette mit 1192 Inseln, auf denen 300.000 Menschen leben (Beaugé Florence, “Les Maldives archipel en sursis”, Le Monde, 5 Januar 2007). Der höchste Punkt der Malediven liegt 3 Meter über dem Meeresspiegel . Wenn der Meeresspiegel weiterhin ansteigt, wird der Archipel in ein oder zwei Jahrhunderten versunken sein. „Für die Malediven ist der Klimawandel ein reales Problem. Wir haben bereits über 20 Inseln, die mit ernsten Erosionsproblemen zu kämpfen haben, und 50 bei denen es aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels zur Verunreinigung der Wasserversorgung kommt.“ (Morales Alex, “Maldives May Consider Tourist Tax on `Rich' Visitors to Reduce Emissions”, 24 November 2010)
Dieses empfindliche Gebiet, das bereits von El Nino 1998 und vom Tsunami 2004 in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist ein höchst beliebtes Urlaubsziel im Luxussegment. Die maledivische Regierung beschloss, reichen Touristen eine Steuer aufzuerlegen, um damit die Investitionen zu finanzieren, die erforderlich sind, um grundlegende Maßnahmen umzusetzen um dem Archipel bis 2020 kohlenstoffneutral zu gestalten.

„Es wird wahrscheinlich nötig sein, Wind- und Sonnenenergie zu nutzen, Energieeffizienzmaßnahmen zu setzen und internationale Emissionsrechte zu kaufen, um die Nettoemissionen für das tief liegende Land im Indischen Ozean bis 2020 auf Null zu senken“, während sich die „maledivischen Emissionen bis zum Jahr 2020 verdoppeln dürften, wenn wir wie gewohnt weiter machen.“  .
Der Präsident der Malediven hat Schlüsseltechnologien genannt, mit denen sein Plan der Kohlenstoffneutralität aufgehen soll: „Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen und eine neue Übertragungsinfrastruktur, mit 155 großen Windanlagen, einem halben Quadratkilometer Solarpanele auf den Dächern, und einem Biomassekraftwerk, in dem die Fruchtschalen von Kokosnüssen verbrannt werden. Pufferbatterien könnten zur Versorgung dienen, wenn weder Wind- noch Solarenergie verfügbar sind. Der saubere Strom würde nicht nur Privathäuser und Unternehmen versorgen, sondern auch für Fahrzeuge genutzt werden. Autos und Boote mit Benzin- und Dieselmotoren würden Schritt für Schritt durch Elektrofahrzeuge und -boote ersetzt.“ Duncan Clark, “Maldives first to go carbon neutral”, The Observer, 15 März 2009)
Bei diesem Projekt hat der Präsident trotzdem „akzeptiert, dass der Null-Kohlenstoffstatus die Emissionen der 500000 Touristen nicht berücksichtigt, die jedes Jahr auf die Inseln fliegen – und somit die Zahl der Einwohner von 385.000 weit übertreffen. Allerdings würden diese während ihres Urlaubs auf den Malediven weniger Kohlenstoff verbrauchen als sie zuhause verbraucht hätten.” (Henderson Mark, "Maldives President Nasheed demands action on climate change", The Times, 6 Juli 2009)
„Die Kosten für das Maßnahmenpaket zur CO2-Senkung werden ungefähr $ 110 Mio. pro Jahr über einen Zeitraum von 10 Jahren betragen. Der Plan sollte sich schnell bezahlt machen, da die Malediven damit nicht länger Ölprodukte für Stromerzeugung, Transportwesen und andere Zwecke importieren müssten. Falls der Ölpreis auf $ 100 pro Barrel steigen sollte, wäre die Amortisierung innerhalb von 11 Jahren geschafft. Beim aktuellen Preis würde es ca. doppelt so lange dauern.” (Henderson Mark)

 


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